Waterless Beauty ist kein neues Konzept. Wasserfreie Kosmetikprodukte sind seit Jahren in Form von Ölen, Balsamen, festen Produkten oder Pulvern auf dem Markt. Heute kann der Verzicht auf Wasser jedoch mehr sein als nur eine Produkteigenschaft – er kann Teil der zugrunde liegenden Technologie sein.
Ein Pulver, das sich durch die Zugabe von Wasser in ein Reinigungsprodukt verwandelt. Ein Konzentrat, das mit wenigen Tropfen Wasser aktiviert wird. Eine gefriergetrocknete Formulierung, die unmittelbar vor der Anwendung rekonstituiert wird. Fortschritte in der Formulierungstechnologie zeigen, dass Waterless Beauty heute weit über die reine Reduzierung des Wassergehalts hinausgeht.
Bei einigen Systemen kommt Wasser erst im letzten Schritt hinzu – bei der Anwendung durch den Verbraucher.
Von wasserfreier Kosmetik zu wasseraktivierten Formulierungen
Der klassische Ansatz von Waterless Beauty konzentrierte sich vor allem darauf, Wasser im fertigen Produkt zu reduzieren oder vollständig darauf zu verzichten. Dadurch konnten konzentrierte Formate wie feste Produkte, Balsame, Öle oder Pulver entwickelt werden.
Die neue Generation wasserfreier Lösungen geht einen Schritt weiter.
Wasser kann als Aktivator fungieren und die Eigenschaften eines Produkts unmittelbar vor oder während der Anwendung verändern. Eine trockene Formulierung kann mit Wasser kombiniert werden und sich beispielsweise in einen Schaum, eine Emulsion, ein Serum oder eine andere anwendungsfertige Form verwandeln.
Damit verändert sich auch die Perspektive auf die Entwicklung eines Kosmetikprodukts. Eine Formulierung muss ihre endgültige Form nicht zwangsläufig bereits während der Herstellung erreichen. Sie kann so konzipiert werden, dass der letzte Schritt der Zubereitung erst bei der Anwendung erfolgt.
Dieser Ansatz wird unter anderem als „Activation at the Point of Use“ bezeichnet.
Warum kann der Verzicht auf Wasser für die Stabilität relevant sein?
Wasser gehört zu den häufigsten Bestandteilen kosmetischer Formulierungen. Gleichzeitig können in einem wässrigen Umfeld bestimmte Reaktionen stattfinden, die die Stabilität einzelner Inhaltsstoffe beeinflussen.
Aus R&D-Sicht können wasserfreie Lösungen daher besonders interessant für Inhaltsstoffe sein, deren Stabilität in wasserhaltigen Formulierungen begrenzt sein kann.
Das bedeutet jedoch nicht, dass der Verzicht auf Wasser automatisch jeden Inhaltsstoff stabilisiert. Die Produktstabilität hängt vom gesamten System ab – unter anderem von den Eigenschaften der Rohstoffe, den Wechselwirkungen zwischen den Inhaltsstoffen, der Einwirkung von Sauerstoff und Licht, der Temperatur, dem Herstellungsprozess und der Verpackung.
Forschungsergebnisse zeigen jedoch das Potenzial entsprechend konzipierter Produktformate.
In einer 2023 in CryoLetters veröffentlichten Studie wurde die Stabilität von Vitamin C in einer konventionellen und einer gefriergetrockneten O/W-Emulsion unter beschleunigten Stabilitätsbedingungen untersucht.
Nach 28 Tagen bei 48 °C enthielt die gefriergetrocknete Emulsion noch 90,1 % des Vitamin C, während es bei der konventionellen O/W-Emulsion 28,3 % waren.
Dieses Ergebnis bezieht sich auf eine konkrete Formulierung und ein bestimmtes Versuchssystem und sollte daher nicht als allgemeingültiger Effekt für alle Formulierungen interpretiert werden. Es verdeutlicht jedoch ein wichtiges Prinzip: Das Produktformat kann eines der Instrumente sein, mit denen die Stabilität eines Produkts gezielt mitgestaltet wird.
Gefriertrocknung in der Kosmetik – mehr als ein innovatives Format
Eine der technologisch fortschrittlichsten Entwicklungen im Bereich Waterless Beauty ist die Gefriertrocknung bzw. Lyophilisation.
Bei diesem Verfahren wird einem gefrorenen Produkt Wasser durch Sublimation unter reduziertem Druck entzogen. Dadurch kann eine trockene Struktur entstehen, die vor der Anwendung mit einer definierten Menge Wasser oder einer anderen aktivierenden Phase kombiniert wird.
Aus Sicht der kosmetischen Formulierungsentwicklung eröffnet dies interessante Möglichkeiten. Wirkstoffe können in einer Umgebung mit deutlich reduziertem Wassergehalt gelagert werden, während die endgültige Anwendungsform des Kosmetikprodukts erst kurz vor der Verwendung entsteht.
Aktuelle Forschungsarbeiten beschäftigen sich nicht nur mit einzelnen gefriergetrockneten Inhaltsstoffen, sondern auch mit vollständigen Emulsionssystemen, die für eine Rekonstitution vor der Anwendung entwickelt werden.
Das ist eine wichtige Entwicklung. Waterless Beauty muss nicht mehr ausschließlich ein Kosmetikprodukt bedeuten, das während seiner gesamten Anwendung trocken oder fest bleibt.
Powder-to-Foam, Konzentrate und präzise Dosierung
Die Gefriertrocknung ist nur eine von mehreren möglichen Richtungen.
Waterless Beauty umfasst heute eine Vielzahl unterschiedlicher Formate:
Powder-to-Foam – trockene Formulierungen, die sich durch die Zugabe von Wasser in ein Reinigungsprodukt oder einen Schaum verwandeln;
Powder-to-Liquid – pulverförmige Formulierungen, die unmittelbar vor der Anwendung rekonstituiert werden;
aktivierte Konzentrate – konzentrierte Formulierungen, die mit Wasser, einem Serum oder einer anderen Basis kombiniert werden;
Single-Dose-Systeme – einzeln und präzise dosierte Produktportionen;
gefriergetrocknete Formulierungen – trockene Formulierungen, die vor der Anwendung rekonstituiert werden;
Solid Skincare – konzentrierte feste Formate wie Seren, Balsame oder Produkte für die gezielte Hautpflege.
Jedes dieser Formate erfordert einen eigenen Ansatz bei Formulierung, Herstellungstechnologie, Verpackung und Anwendung.
Innovation endet daher nicht bei der Rezeptur.
Die Verpackung wird Teil der Produkttechnologie
Wenn ein Kosmetikprodukt unmittelbar vor der Anwendung aktiviert werden soll, gewinnt auch die Art der Dosierung und Verpackung an Bedeutung.
Der Verbraucher sollte die richtige Produktmenge erhalten, während der Aktivierungsprozess einfach, reproduzierbar und intuitiv bleiben muss.
Dadurch entstehen auch neue Möglichkeiten für Verpackungsformate – beispielsweise Einweg-Sachets mit einer präzise dosierten Produktmenge.
Je nach Produktkonzept kann ein Sachet ein Pulver, ein Konzentrat oder eine andere wasserfreie Formulierung für eine einmalige Anwendung enthalten.
Ein solches Konzept kann mehr als nur Komfort bieten. Einzeldosen können auch das wiederholte Öffnen einer Primärverpackung vermeiden und den Kontakt des verbleibenden Produkts mit der Umgebung reduzieren.
Bei MG Evolution® bieten wir die Abfüllung und Konfektionierung von Kosmetikprodukten in Sachets ab 1 ml an. Dadurch kann dieses Format sowohl für eigenständige Produktkonzepte als auch für Single-Dose-Lösungen oder Produkte für spezifische Pflegeprotokolle eingesetzt werden.
Waterless bedeutet nicht automatisch einfacher
Der Verzicht auf Wasser kann zunächst den Eindruck einer einfacheren Formulierung vermitteln. Aus technologischer Sicht ist dies jedoch nicht zwangsläufig der Fall.
Auch ein wasserfreies Produkt muss die Anforderungen an Qualität, Sicherheit, Stabilität und den vorgesehenen Verwendungszweck erfüllen. Faktoren wie Wasseraktivität, mikrobiologische Qualität der Rohstoffe, Herstellungsprozess, Abfüll- und Verpackungsbedingungen, Verpackungskonzept sowie die spätere Anwendung durch den Verbraucher müssen berücksichtigt werden.
Der letzte Punkt ist besonders wichtig.
Ein Produkt kann während Herstellung und Lagerung wasserfrei sein, bei der Anwendung jedoch mit Wasser in Kontakt kommen. Die Entwicklung einer solchen Formulierung erfordert daher die Betrachtung des gesamten Produktlebenszyklus und nicht ausschließlich der Zusammensetzung zum Zeitpunkt der Herstellung.
Waterless Beauty als Instrument der Produktentwicklung
Die interessanteste Entwicklung im Bereich Waterless Beauty besteht daher nicht allein darin, Wasser aus einer Formulierung zu entfernen.
Entscheidend ist vielmehr die Möglichkeit, bewusst zu bestimmen, wann, wo und in welcher Form Wasser Teil des Produkterlebnisses wird.
Wasser kann von Anfang an enthalten sein. Es kann vom Verbraucher hinzugefügt werden. Es kann ein trockenes Konzentrat aktivieren. Oder es kann eine gefriergetrocknete Formulierung unmittelbar vor der Anwendung rekonstituieren.
Auf diese Weise bilden Formulierung, Produktformat, Verpackung und Anwendung ein integriertes System.
Genau hier wird Waterless Beauty aus Sicht der Produktentwicklung besonders interessant – nicht nur als Trend, sondern als weiteres Instrument für die Entwicklung wirksamer, differenzierter und technologisch fortschrittlicher Kosmetikformulierungen.
Von der Idee bis zur Produktion
Die Entwicklung eines nicht standardisierten Kosmetikformats erfordert, dass Formulierungs-, Technologie- und Produktionskompetenz bereits in den frühen Projektphasen miteinander verbunden werden.
Bei MG Evolution® entwickeln wir Kosmetikprodukte von der ersten Idee und Formulierungsentwicklung über Tests und Dokumentation bis hin zur Herstellung, Abfüllung und Konfektionierung.
Sie möchten ein Kosmetikprodukt entwickeln, das über Standardformate hinausgeht? Sprechen wir über die Möglichkeiten der Entwicklung und Produktion bei MG Evolution®.
