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Tagescreme vs. Nachtcreme – Marketing oder Biologie?
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Tagescreme vs. Nachtcreme – Marketing oder Biologie?

Die Unterteilung der Hautpflege in Tages- und Nachtpflege ist so selbstverständlich geworden, dass man sie leicht vor allem als Marketingkonzept betrachten kann. Zwei Produkte, zwei Anwendungen, zwei Schritte in der Pflegeroutine.

Doch unterscheiden sich Tages- und Nachtcremes tatsächlich nur durch die Kommunikation auf der Verpackung?

Nicht ganz. Die Haut funktioniert im Laufe des Tages nicht immer auf die gleiche Weise. Ein Teil ihrer physiologischen Prozesse unterliegt zirkadianen Rhythmen. Die Chronobiologie der Haut wirft daher eine interessante Frage für Forschung und Entwicklung auf: Sollten wir bei der Entwicklung eines Kosmetikprodukts nicht nur seine Zusammensetzung und Funktion, sondern auch den Zeitpunkt der Anwendung berücksichtigen?

Chronobiologie der Haut – auch die Haut hat ihre eigene Uhr

Zirkadiane Rhythmen verbinden wir in erster Linie mit dem Schlaf-Wach-Rhythmus. Molekulare Uhren sind jedoch auch in Hautzellen aktiv, unter anderem in Keratinozyten, Melanozyten und Fibroblasten.

Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass die zirkadiane Regulation unter anderem mit der Erneuerung der Epidermis, der Funktion der Hautbarriere, der Immunaktivität, der Zellproliferation sowie mit Mechanismen der Reaktion auf und Reparatur von DNA-Schäden verbunden ist.

Aus biologischer Sicht befindet sich die Haut also nicht während des gesamten 24-Stunden-Zyklus im gleichen funktionellen Zustand.

Und genau hier wird die Unterscheidung zwischen DAY und NIGHT deutlich interessanter als ein reines Marketingkonzept.

Was verändert sich in der Haut innerhalb von 24 Stunden?

Eines der am besten untersuchten Beispiele ist die Funktion der Hautbarriere.

Studien mit gesunden Probanden haben rhythmische Veränderungen des transepidermalen Wasserverlusts (TEWL), des pH-Werts der Hautoberfläche und der Hauttemperatur gezeigt. Auch Unterschiede in der epidermalen Permeabilität wurden beobachtet – in Studien war sie am Abend höher als am Morgen.

Aus Sicht der Formulierungsentwicklung ist dies eine interessante Beobachtung.

Wenn sich die Eigenschaften der Hautbarriere im Tagesverlauf verändern, könnte der Zeitpunkt der Anwendung einer der Faktoren sein, die die Bedingungen beeinflussen, unter denen eine Formulierung auf der Haut verbleibt und ihre Inhaltsstoffe mit der Haut interagieren.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Wirkstoff am Abend besser in die Haut eindringt oder dass jedes nachts angewendete Produkt automatisch wirksamer ist.

Die Penetration eines Inhaltsstoffs hängt auch von seinen physikochemischen Eigenschaften, seiner Konzentration, der Art der Formulierung, dem verwendeten Trägersystem und dem Zustand der epidermalen Barriere ab.

Die Chronobiologie ersetzt daher nicht die Prinzipien der kosmetischen Formulierungsentwicklung. Sie kann eine weitere Variable hinzufügen.

„Regeneriert“ sich die Haut wirklich in der Nacht?

Dies ist eine der am häufigsten wiederholten Aussagen über Nachtpflege. Aus wissenschaftlicher Sicht ist sie jedoch zu stark vereinfacht.

Die Chronobiologie der Haut geht weit über Veränderungen von TEWL oder Hauttemperatur hinaus.

Molekulare Uhren in den Hautzellen stehen mit der Regulation verschiedener Prozesse in Verbindung, darunter Zellproliferation, Immunreaktionen, oxidativer Stress und Mechanismen der Reaktion auf DNA-Schäden.

Es gibt keinen einzelnen biologischen Schalter, der nach Sonnenuntergang die „Regeneration der Haut“ aktiviert.

Die einzelnen Prozesse weisen eigene rhythmische Muster auf und werden durch komplexe molekulare Mechanismen gesteuert.

Aus Sicht von Forschung und Entwicklung lautet die interessantere Frage daher:

Welche Prozesse in der Haut weisen eine zirkadiane Rhythmik auf – und können wir dieses Wissen bei der Entwicklung eines Kosmetikprodukts nutzen?

Melatonin in der Haut – mehr als ein Schlafhormon

Ein besonders interessantes Beispiel für die Verbindung zwischen Haut und zirkadianer Biologie ist Melatonin.

Meist wird es mit der Zirbeldrüse und der Regulation des Schlaf-Wach-Rhythmus in Verbindung gebracht. Die Haut verfügt jedoch über ein eigenes lokales melatoninerges System.

Hautzellen können Melatonin synthetisieren, zu biologisch aktiven Metaboliten verstoffwechseln und auf seine Wirkung reagieren.

Die lokale Aktivität von Melatonin wird unter anderem im Zusammenhang mit der Regulation von oxidativem Stress, der mitochondrialen Funktion, der epidermalen Homöostase, der Photoprotektion und mit Prozessen der Hautalterung untersucht.

Bedeutet das, dass ein Kosmetikprodukt mit Melatonin ausschließlich nachts angewendet werden sollte?

Nein.

Die Verbindung zwischen Melatonin und dem zirkadianen System ist für sich allein kein Beweis dafür, dass topisch angewendetes Melatonin zu einer bestimmten Tageszeit wirksamer ist. Dies ist ein wichtiger Unterschied zwischen dem Verständnis eines biologischen Mechanismus und dem Nachweis der Wirksamkeit eines fertigen Kosmetikprodukts.

Kann der Anwendungszeitpunkt zu einem Parameter der Kosmetikentwicklung werden?

Bei der Entwicklung einer neuen Formulierung analysieren R&D-Teams zahlreiche Variablen: Wirkstoffe, Konzentrationen, Kompatibilität, Stabilität, Eigenschaften des Formulierungssystems, sensorisches Profil, Verpackung und Prüfstrategie.

Die Chronobiologie der Haut könnte dieser Liste eine weitere Frage hinzufügen:

WANN wird das Produkt angewendet?

Wird ein Produkt speziell für die Nachtpflege entwickelt, kann bei seiner Entwicklung nicht nur die NIGHT-Positionierung auf der Verpackung, sondern auch der biologische und praktische Kontext der vorgesehenen Anwendung berücksichtigt werden.

Ebenso kann ein Produkt für die Tagespflege unter Berücksichtigung der Exposition der Haut gegenüber UV-Strahlung, Umweltverschmutzung und anderen Faktoren entwickelt werden, die mit oxidativem Stress verbunden sind.

Bei diesem Ansatz ist DAY/NIGHT nicht mehr nur Bestandteil der Produktkommunikation. Es kann zu einer der Grundlagen der Produktentwicklung werden.

Brauchen wir also eine separate Tages- und Nachtcreme?

Nicht unbedingt.

Die Tatsache, dass die Haut zirkadiane Rhythmen aufweist, bedeutet nicht, dass jede Kosmetiklinie zwei separate Cremes benötigt.

In vielen Fällen kann eine gut entwickelte Formulierung sowohl für die Anwendung am Morgen als auch am Abend geeignet sein.

Chronobiologie sollte daher nicht als Argument dienen, ohne klare Begründung eine zusätzliche SKU zu entwickeln.

Sie kann vielmehr Wissen liefern, das dabei hilft zu entscheiden, ob die Trennung von DAY- und NIGHT-Funktionen bei einem konkreten Produktkonzept biologisch, formulierungstechnisch und wirtschaftlich sinnvoll ist.

Chronokosmetik – ein interessanter Ansatz, aber Evidenz ist entscheidend

Kosmetikprodukte unter Berücksichtigung der biologischen Rhythmen der Haut zu entwickeln, ist ein interessanter Ansatz für die Produktentwicklung.

Aktuelle Forschungsergebnisse liefern überzeugende Hinweise auf zirkadiane Uhren in der Haut und auf rhythmische Veränderungen verschiedener physiologischer Prozesse. Deutlich weniger klinische Daten zeigen jedoch, dass die Anwendung desselben Wirkstoffs oder fertigen Produkts zu einer bestimmten Tageszeit zu einem signifikant besseren Ergebnis führt.

Diese Unterscheidung ist entscheidend:

Ein biologischer Mechanismus ist noch kein Wirksamkeitsnachweis für ein Produkt.

Soll der Zeitpunkt der Anwendung Teil des Produktkonzepts oder der Kommunikation werden, sollte dieser Aspekt bereits bei der Entwicklung der Prüfstrategie berücksichtigt werden.

Dies ist besonders für die Entwicklung von Claims relevant. Die Auswahl der Wirkstoffe und wissenschaftliche Literatur zu ihren Wirkmechanismen können die wissenschaftliche Grundlage eines Konzepts bilden, ersetzen jedoch nicht die Prüfung der fertigen Formulierung.

Chronobiologie der Haut und die Entwicklung neuer Formulierungen

Chronobiologie bedeutet nicht, dass jedes Kosmetikprodukt künftig eine DAY- und eine NIGHT-Version benötigt.

Sie zeigt jedoch, dass wir bei der Produktentwicklung zusätzliche Fragen stellen können.

Nicht nur:

WELCHER Wirkstoff? In WELCHER Konzentration? In WELCHEM Formulierungssystem?

Sondern auch:

WANN wird das Produkt angewendet?

Dies eröffnet eine interessante Perspektive für neue Kosmetikprojekte – insbesondere für Produkte, die moderne Wirkstoffe, einen definierten Wirkmechanismus und eine gezielt geplante Prüfstrategie miteinander verbinden sollen.

Innovation bedeutet nicht immer, einen weiteren neuen Wirkstoff einzusetzen.

Manchmal beginnt sie mit einem besseren Verständnis der Hautbiologie und der Übertragung dieses Wissens in eine durchdachte Formulierung.

Möchten Sie ein Kosmetikprodukt auf Basis der Chronobiologie der Haut entwickeln?

Bei MG Evolution beginnt die Produktentwicklung mit formulierungstechnischen und technologischen Annahmen, die wir anschließend in eine konkrete Rezeptur, einen Herstellungsprozess und eine entsprechend geplante Prüfstrategie übertragen.

Möchten Sie ein Produkt oder eine Kosmetiklinie entwickeln, die die Chronobiologie der Haut berücksichtigt? Sprechen wir darüber, wie sich dieses Konzept in eine Formulierung, Technologie und gezielt geplante Prüfstrategie übersetzen lässt.

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