Da die Kosmetikindustrie eng mit der Modewelt verbunden ist, warum sollte man nicht bestimmten Trends dieses Bereichs folgen? Der „Retro"-Stil wiederholt sich häufig, besonders auf bestimmten spezialisierten Modemärkten. Die Verwendung alter Inhaltsstoffe ist jedoch kein Ansatz, der die Aufmerksamkeit derjenigen weckt, die Forschung und Entwicklung betreiben, und insbesondere nicht der Marketingexperten.
Neue Trends in der Pharmaindustrie können jedoch zum Nachdenken anregen. Die Markteinführung eines neuen Medikaments erfordert einen enormen Aufwand an Arbeit, Zeit, Geld und Ressourcen, ganz zu schweigen von den Vorschriften, die diesen Prozess erschweren. Ein weiterer abschreckender Faktor ist die Zeitspanne zwischen der Markteinführung eines neuen Medikaments und dem Erscheinen einer günstigeren generischen Version. Diese Herausforderungen begünstigen keine hohen Investitionen in die Entwicklung neuer Medikamente.
Innovatoren in der Pharmaindustrie haben einen anderen Ansatz gewählt: Sie suchen nach neuen Anwendungen für bestehende Medikamente. Unter Nutzung der Errungenschaften der modernen Technologie, einschließlich Informatik und KI, sowie durch die selektive Auswahl bestehender Wirkstoffmoleküle versuchen Forscher der Pharmaindustrie, neue Anwendungen zu finden. Dieser Ansatz des „Repositioning" ist sinnvoll, da diese Medikamente bereits zahlreiche Sicherheitstests und klinische Studien durchlaufen haben, was Zeit und Geld spart.
Die Herausforderungen in der Kosmetikindustrie sind etwas anders, doch sowohl Hersteller als auch Lieferanten suchen ständig nach neuen Inhaltsstoffen. Die Einschränkungen durch Vorschriften sowie der enorme finanzielle Aufwand machen die Entdeckung und Markteinführung bahnbrechender Wirkstoffe schwierig.
Ähnlich wie in der Mode verlieren aktive Substanzen nach einiger Zeit ihre Attraktivität, sowohl für das Marketing als auch für die Kunden. Warum also nicht dem Vorbild der Pharmaindustrie folgen und bekannte Substanzen auf neue Anwendungsmöglichkeiten hin testen? Die Funktionsweise unserer Haut wird dank wissenschaftlicher Fortschritte immer besser verstanden. Die Haut besteht aus vielen Zelltypen, die über verschiedene Signale miteinander kommunizieren, und ein Inhaltsstoff wirkt nicht nur auf eine einzige Funktion. Er kann völlig andere Anwendungen haben und unerwartete Ergebnisse liefern. Ein Beispiel für neue Anwendungen bekannter Inhaltsstoffe können zahlreiche Rohstoffkomplexe sein, die durch synergetisches Zusammenwirken bessere oder völlig andere Effekte erzielen als Einzelsubstanzen. Die Entdeckung solcher Anwendungen kann viele Überraschungen für die Entwickler neuer kosmetischer Formulierungen bereithalten.
