Reishi, Shiitake und Tremella werden zunehmend bei der Entwicklung moderner Hautpflegeprodukte berücksichtigt. Das Interesse an pilzbasierten Inhaltsstoffen ist nicht nur auf ihre wachsende Beliebtheit zurückzuführen, sondern vor allem auf die Vielfalt bioaktiver Verbindungen, die aus ihnen gewonnen werden können.
Polysaccharide, darunter β-Glucane, Triterpenoide und phenolische Verbindungen werden hinsichtlich ihrer feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften, ihrer antioxidativen Aktivität und ihrer potenziellen Anwendung in Hautpflegeformulierungen untersucht, die die Hautbarriere unterstützen und sichtbare Zeichen der Hautalterung adressieren sollen.
Für Kosmetikmarken eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten, Produkte für spezifische Hautbedürfnisse zu entwickeln. Um das Potenzial eines Inhaltsstoffs erfolgreich in ein marktfähiges Produkt zu übertragen, ist jedoch ein umfassender Ansatz erforderlich – von der Charakterisierung und Standardisierung des Rohstoffs über die Rezepturentwicklung bis hin zur Sicherheitsbewertung, Stabilitätsprüfung und zum Nachweis der ausgelobten Wirksamkeit.
Was macht Pilze zu einer interessanten Quelle kosmetischer Inhaltsstoffe?
Pilze bilden eine eigenständige Gruppe von Organismen mit vielfältigen Stoffwechselwegen. Dadurch können sie zahlreiche Verbindungen mit interessanten physikochemischen und biologischen Eigenschaften produzieren.
Mehrere Gruppen pilzbasierter Verbindungen sind für die kosmetische Forschung besonders relevant:
- Polysaccharide, darunter β-Glucane – werden aufgrund ihrer wasserbindenden und filmbildenden Eigenschaften sowie möglicher Auswirkungen bestimmter Fraktionen auf die Funktion der Hautbarriere untersucht.
- Triterpenoide – Verbindungen, die unter anderem in Pilzen der Gattung Ganoderma vorkommen und hinsichtlich ihrer biologischen Aktivität, einschließlich ihres antioxidativen Potenzials, erforscht werden.
- Phenolische Verbindungen – sind aufgrund ihrer in bestimmten Labormodellen beobachteten antioxidativen Aktivität von Interesse.
- Weitere pilzliche Metaboliten – werden als potenzielle Quellen neuer kosmetischer Inhaltsstoffe und biotechnologischer Lösungen untersucht.
Allerdings weisen nicht alle Pilzextrakte dieselben Eigenschaften auf. Ihr chemisches Profil hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Art, der verwendete Teil des Organismus, die Kultivierungsbedingungen, das Extraktionsverfahren und die Standardisierungsparameter.
Für die Entwicklung kosmetischer Formulierungen reicht daher die Bezeichnung eines Inhaltsstoffs allein nicht aus. Ebenso wichtig sind seine tatsächliche Zusammensetzung, die Konzentration relevanter Verbindungen und die gleichbleibende Qualität zwischen verschiedenen Rohstoffchargen.
Tremella – Polysaccharide in feuchtigkeitsspendenden Formulierungen
Tremella fuciformis, auch als Schneepilz oder Snow Mushroom bekannt, ist ein Beispiel für einen Pilz, der als Quelle von Polysacchariden mit interessanten funktionellen Eigenschaften geschätzt wird.
Ihre Fähigkeit, Wasser zu binden, macht diese Polysaccharide für den Einsatz in feuchtigkeitsspendenden Hautpflegeprodukten interessant. Abhängig von den Eigenschaften des Rohstoffs können sie zudem das rheologische Verhalten einer Formulierung, die Filmbildung auf der Hautoberfläche und die sensorischen Eigenschaften bei der Anwendung beeinflussen.
Dieses Potenzial spiegelt sich auch in Untersuchungen kosmetischer Formulierungen wider. In einer beschriebenen Studie zeigte eine Emulsion mit 0,1 % Tremella fuciformis-Extrakt im Vergleich zu einer Kontrollformulierung eine Verbesserung der Hautfeuchtigkeit und eine Verringerung des transepidermalen Wasserverlusts (TEWL).
Diese Ergebnisse sind für die Entwicklung feuchtigkeitsspendender Produkte relevant, beziehen sich jedoch auf einen bestimmten Extrakt, dessen Konzentration und die untersuchte Formulierung.
Tremella kann daher als Inhaltsstoff für Seren, Essenzen, feuchtigkeitsspendende Gele und Cremes zur Verbesserung des Hautkomforts in Betracht gezogen werden.
Wichtige Faktoren sind dabei die Eigenschaften der Polysaccharide, einschließlich ihres Molekulargewichts, ihrer Löslichkeit und ihrer Wechselwirkungen mit anderen Bestandteilen der Rezeptur.
Darüber hinaus muss zwischen den wasserbindenden Eigenschaften eines Rohstoffs und der feuchtigkeitsspendenden Wirksamkeit eines fertigen Kosmetikprodukts unterschieden werden. Letztere sollte durch geeignete Nachweise und Untersuchungen belegt werden.
Reishi – antioxidatives Potenzial und Forschung zu einem gleichmäßigeren Hautton
Ganoderma lucidum, allgemein als Reishi bekannt, enthält verschiedene Gruppen von Verbindungen, darunter Polysaccharide und Triterpenoide.
Das Interesse an dieser Pilzart in der kosmetischen Forschung hängt unter anderem mit Untersuchungen ihrer antioxidativen Aktivität und der Wirkung ihrer Extrakte auf ausgewählte enzymatische Prozesse zusammen.
Eine im Jahr 2026 veröffentlichte Studie zeigte unter Laborbedingungen eine antioxidative Aktivität sowie ein Potenzial zur Hemmung der Tyrosinase durch den untersuchten Reishi-Extrakt.
Tyrosinase ist ein Enzym, das an der Melaninsynthese beteiligt ist. Verbindungen, die ihre Aktivität beeinflussen können, sind daher für die Erforschung von Inhaltsstoffen interessant, die auf einen gleichmäßigeren Hautton abzielen.
Eine in vitro beobachtete Hemmung der Tyrosinase ist jedoch kein Nachweis für eine hautaufhellende Wirksamkeit eines fertigen Kosmetikprodukts.
Im Labor beobachtete Effekte erfordern weitere Untersuchungen. Dabei müssen unter anderem die Eigenschaften und die Konzentration des Extrakts, sein Verhalten innerhalb der Formulierung und die Wirksamkeit des fertigen Produkts berücksichtigt werden.
Bemerkenswert ist, dass die Studie aus dem Jahr 2026 auch die Entwicklung einer kosmetischen Emulsion mit Reishi-Extrakt sowie die Bewertung ausgewählter Qualitätsparameter umfasste, darunter die Stabilität und die Wirksamkeit des Konservierungssystems.
Dies stellt einen wichtigen Schritt in der Inhaltsstoffentwicklung dar: von der Untersuchung der biologischen Aktivität hin zur Bewertung der praktischen Eignung für eine konkrete kosmetische Formulierung.
Shiitake – Forschung zu Enzymen, die mit der Hautstruktur zusammenhängen
Lentinula edodes, allgemein als Shiitake bekannt, ist eine weitere Pilzart, die hinsichtlich möglicher kosmetischer Anwendungen untersucht wird.
In einer 2026 veröffentlichten Studie wurde unter anderem die Aktivität eines Shiitake-Extrakts gegenüber Enzymen untersucht, die an Prozessen des Abbaus von Bestandteilen der extrazellulären Matrix der Haut beteiligt sind.
Im verwendeten Labormodell zeigte der untersuchte Extrakt eine Hemmung der Elastaseaktivität um 51,99 % sowie eine konzentrationsabhängige Hemmung der Kollagenaseaktivität.
Elastase und Kollagenasen sind Enzyme, die am Abbau von Proteinen der extrazellulären Matrix beteiligt sind, darunter Elastin und Kollagen. Diese Prozesse sind für die strukturellen und mechanischen Eigenschaften der Haut von Bedeutung.
Die Aktivität von Extrakten gegenüber diesen Enzymen wird als einer von mehreren potenziellen Mechanismen untersucht, die für die Pflege von Haut mit sichtbaren Zeichen der Alterung relevant sein könnten.
In-vitro-Ergebnisse belegen jedoch nicht, dass die Verwendung von Shiitake-Extrakt in einem Kosmetikprodukt Kollagen oder Elastin in der menschlichen Haut schützt.
Solche Wirkungen müssten durch weitere Untersuchungen in geeigneten biologischen Modellen und durch Nachweise für die konkreten Produktaussagen bestätigt werden.
Die Studie umfasste außerdem die Entwicklung einer Modell-Cremeformulierung und die Bewertung ihrer Stabilität unter den angewandten Prüfbedingungen.
Dies verdeutlicht eine wichtige Richtung der Forschung an pilzbasierten Inhaltsstoffen: Die Untersuchung der biologischen Aktivität wird zunehmend mit der Bewertung ihrer praktischen Eignung für kosmetische Formulierungen verbunden.
Pilze und Skin Longevity – wo endet das Potenzial und wo beginnen die wissenschaftlichen Nachweise?
Skin Longevity ist eine sich entwickelnde Richtung in der Hautpflege, bei der sich der Fokus von der Korrektur sichtbarer Zeichen der Hautalterung hin zur langfristigen Unterstützung gesunder Hautfunktionen verschiebt.
Dieser Ansatz umfasst ein wachsendes Interesse an Mechanismen der biologischen Hautalterung, an der Widerstandsfähigkeit der Haut gegenüber Umweltstressoren und am Erhalt ihrer Schutzfunktionen.
In diesem Zusammenhang stellen pilzbasierte Inhaltsstoffe ein interessantes Forschungsgebiet dar. Gründe dafür sind die antioxidative Aktivität ausgewählter Verbindungen, die funktionellen Eigenschaften von Polysacchariden und der mögliche Einfluss bestimmter Metaboliten auf spezifische biologische Prozesse.
Dabei muss jedoch eine wichtige Unterscheidung getroffen werden.
Untersuchungen, die eine Neutralisierung freier Radikale, eine Enzymhemmung oder feuchtigkeitsspendende Eigenschaften zeigen, reichen nicht aus, um daraus abzuleiten, dass ein Inhaltsstoff die biologische Hautalterung verlangsamt.
Darüber hinaus sind diese Mechanismen keine gleichwertigen Indikatoren für Skin Longevity. Jeder beschreibt einen anderen Aspekt der Hautfunktion und erfordert eine eigenständige wissenschaftliche Bewertung.
Aus Sicht der Produktentwicklung kann Longevity eine relevante konzeptionelle Ausrichtung darstellen. Konkrete Wirkaussagen müssen jedoch durch entsprechend konzipierte Studien gestützt werden.
Dieser Ansatz ermöglicht es Kosmetikmarken, eine glaubwürdige Produktkommunikation aufzubauen, ohne Laborergebnisse auf Wirkungen zu übertragen, die bislang nicht nachgewiesen wurden.
Vom Extrakt zum fertigen Kosmetikprodukt – was entscheidet über den Erfolg einer Formulierung?
Eine vielversprechende biologische Aktivität ist ein Ausgangspunkt, aber noch kein abschließender Nachweis für den Nutzen eines Inhaltsstoffs in einem fertigen Kosmetikprodukt.
Während der Produktentwicklung müssen mehrere miteinander verbundene Faktoren berücksichtigt werden.
Auswahl und Standardisierung der Rohstoffe
Extrakte derselben Pilzart können sich hinsichtlich ihrer chemischen Zusammensetzung, der Konzentration bestimmter Fraktionen und ihrer physikochemischen Eigenschaften unterscheiden.
Die Standardisierung trägt dazu bei, Schwankungen zwischen einzelnen Chargen zu reduzieren und die Vorhersagbarkeit während der Formulierungsentwicklung zu verbessern.
Bei Inhaltsstoffen natürlichen Ursprungs ist die Qualitätskontrolle besonders wichtig. Dazu gehören die Identifizierung des Rohstoffs, die Bewertung seiner Reinheit und die Überwachung möglicher Verunreinigungen.
Kompatibilität innerhalb der Rezeptur
Löslichkeit, pH-Wert, das Vorhandensein von Elektrolyten, Wechselwirkungen mit Emulgatoren und Verdickungsmitteln sowie der Einfluss eines Inhaltsstoffs auf Viskosität und Sensorik können über seine Eignung für eine bestimmte Formulierung entscheiden.
Ein Inhaltsstoff, der in Laboruntersuchungen eine vielversprechende Aktivität zeigt, behält seine erwarteten Eigenschaften nicht zwangsläufig bei, wenn er in eine komplexe kosmetische Formulierung eingearbeitet wird.
Stabilität und Sicherheit
Die fertige Formulierung erfordert eine angemessene Bewertung der physikochemischen Stabilität, der mikrobiologischen Qualität, der Verpackungskompatibilität und der Sicherheit.
Abhängig von den Produkteigenschaften kann auch eine Prüfung der Wirksamkeit des Konservierungssystems erforderlich sein.
Die Eigenschaften des Extrakts selbst können diese Bewertungen nicht ersetzen.
Begründung und Nachweis von Produktaussagen
Untersuchungen eines einzelnen Inhaltsstoffs können zur wissenschaftlichen Begründung seiner Auswahl beitragen. Sie belegen jedoch nicht automatisch die Wirksamkeit des fertigen Kosmetikprodukts.
Nach den Anforderungen der Europäischen Union an kosmetische Werbeaussagen müssen kommunizierte Produkteigenschaften durch angemessene und überprüfbare Nachweise gestützt werden.
Art und Umfang der unterstützenden Dokumentation und der Prüfungen sollten auf die jeweilige Aussage abgestimmt sein.
Nicht jede Werbeaussage erfordert eine separate klinische Studie. Die gegenüber Verbrauchern kommunizierten Informationen müssen jedoch korrekt, zuverlässig und ausreichend belegt sein.
Wie können pilzbasierte Inhaltsstoffe die Entwicklung eines Kosmetikportfolios unterstützen?
Für Kosmetikmarken liegt der größte Mehrwert nicht allein darin, einen Pilzextrakt in eine Rezeptur aufzunehmen, sondern seine spezifischen Eigenschaften als Bestandteil eines schlüssigen Produktkonzepts zu nutzen.
Tremella-Polysaccharide können für feuchtigkeitsspendende Formulierungen in Betracht gezogen werden, Reishi-Extrakte für Projekte zur Untersuchung des antioxidativen Potenzials und eines gleichmäßigeren Hauttons sowie Shiitake für Hautpflegekonzepte, die auf sichtbare Zeichen der Hautalterung ausgerichtet sind.
Jede dieser Entwicklungsrichtungen erfordert eine individuelle Rohstoffbewertung, geeignete Formulierungstechnologien und die Überprüfung der Eigenschaften des fertigen Produkts.
Ebenso wichtig ist es, die Auswahl der Inhaltsstoffe auf die übergeordneten Ziele einer Kosmetiklinie abzustimmen.
Die Eigenschaften eines Inhaltsstoffs sollten eine klar definierte Hautpflegefunktion unterstützen und nicht ausschließlich als Marketingargument dienen.
Ein gut geplanter Formulierungsentwicklungsprozess verbindet das Potenzial eines Inhaltsstoffs mit spezifischen Hautbedürfnissen, Verbrauchererwartungen und einer glaubwürdigen Markenkommunikation.
MG Evolution – vom Produktkonzept zur fertigen Formulierung
Bei MG Evolution verbinden wir bei der Entwicklung kosmetischer Produkte fundierte Rohstoffkenntnisse, Formulierungskompetenz und gezielt geplante Prüfungen.
Wir unterstützen Kosmetikmarken bei der Entwicklung von Rezepturen, die auf ihre Produktziele, vorgesehenen Anwendungen und Marktpositionierung abgestimmt sind.
Während des gesamten Entwicklungsprozesses berücksichtigen wir Anforderungen an Stabilität, Sicherheit, sensorische Eigenschaften und die technische Umsetzbarkeit in der Produktion.
Pilzbasierte Inhaltsstoffe sind ein Beispiel dafür, wie neue Erkenntnisse aus der Inhaltsstoffforschung innovative Ansätze für die Entwicklung kosmetischer Produkte ermöglichen können.
Planen Sie eine neue Hautpflegelinie oder suchen Sie nach Inhaltsstoffen mit interessantem Formulierungspotenzial?
Lassen Sie uns darüber sprechen, wie MG Evolution Ihr Konzept in ein Kosmetikprodukt umsetzen kann, das auf die Anforderungen Ihrer Marke abgestimmt ist.
